Meinungen

Gerhard Bronner, Vorsitzender des Landesnaturschutzverbandes BW

Gerhard Bronner
Vorsitzender des Landesnaturschutzverbandes BW

Ja, es stimmt. Der Windpark Länge wird das Bild der Landschaft technisch überprägen. Das muss man nicht mögen. Und es ist auch richtig, dass er das Klima nicht rettet. Das tut auch jedes andere Klimaschutzprojekt allein nicht. Aber wenn man das überall sagt, passiert gar nichts.

Wenn überall auf der Welt Millionen kleiner Klimaschutzprojekte zusammenwirken und St.Florian nur noch von der Feuerwehr bemüht wird, dann kann man die schlimmsten Folgen des Klimawandels noch abmildern. Viele Südseeinseln wird das nicht mehr retten, große Teile von Bangladesh auch nicht. Aber es macht einen Unterschied, ob wir Millionen von Klimaflüchtlingen haben wie jetzt, oder hunderte von Millionen, wenn die großen Küstenstädte überschwemmt würden.

Klimaveränderungen in der Vergangenheit haben zum Aussterben von tausenden von Arten geführt. Der aktuelle Klimawandel, den nur noch Sektierer und amerikanische Präsidenten bestreiten, wird dies auch. Dies alles relativiert die Gefährdung des Milan, der im Freiland jagt und auf der Baar eine erfreulich vitale Population aufweist, durch Windkraftanlagen im Wald doch ziemlich.

Wir wollen eine Energiewende mit hohen ökologischen Standards, wie sie die LUBW definiert hat. Aber wenn die erfüllt sind, dann soll auch gebaut werden.

Rita Schwarzeluehr-SutterRita Schwarzelühr-Sutter
Parlamentarische Staatssekretärin

Bei einem sind wir uns sicher alle einig: Der Kampf gegen den weltweiten Klimawandel ist eine der größten Herausforderungen unserer Zeit. Der Klimawandel gefährdet nicht nur unsere Lebensgrundlagen, unsere Gesundheit und unsere Tier- und Pflanzenwelt. Er vertieft auch die soziale Ungleichheit – bei uns und weltweit. Mit dem Klimaschutzplan 2050 hat Deutschland als erstes Land eine konkrete Agenda vorgelegt, mit welchen Maßnahmen wir die Ziele aus dem historischen Pariser Klimaabkommen von 2015 umsetzen wollen. Wir reden beim Klimawandel zwar von einer globalen Herausforderung, aber der Schutz des Klimas beginnt bei uns vor Ort. Dass wir unsere hochgesteckten Ziele beim Klimaschutz erreichen, dazu wird nicht zuletzt die Energiewende beitragen.

Gelingt die Energiewende vor Ort, gelingt sie auch als Ganzes. Sowohl Wind- und Sonnenenergie als auch Wasserkraft und Biomasse leisten einen wertvollen Beitrag zur nachhaltigen Energieversorgung. Für eine erfolgreiche Energiewende brauchen wir ein Zusammenspiel aller erneuerbaren Energiequellen. Für den Fall, dass es im Vorfeld von Erneuerbare-Energien-Projekten zu Konflikten kommt, wurde das Kompetenzzentrum Naturschutz und Energiewende ins Leben gerufen. Das Zentrum ist im Auftrag des Bundes­mi­nis­te­ri­ums für Umwelt, Natur­schutz, Bau und Reaktor­sicherheit tätig und ist in seiner Arbeit darauf ausge­rich­tet, als neutra­ler, anerkann­ter und kompe­ten­ter Ansprech­part­ner für alle relevan­ten Akteurs­grup­pen der Energie­wende zu arbei­ten. Es handelt neutral, indem es sich gegen­über Konflik­ten und Konflikt­par­teien unvor­ein­ge­nom­men verhält. Es trägt durch glaub­wür­dige Infor­ma­tio­nen und das Vermit­teln von Media­tio­nen und Modera­tio­nen zum fairen Austra­gen von Konflik­ten bei.

© Foto: Susie Knoll

Jens BorchersDr. Jens Borchers
Betriebsleiter
Forstbetrieb Fürst zu Fürstenberg
Forstbetrieb Fürst zu Waldburg-Wolfegg-Waldsee

Das Land Baden-Württemberg verfügt über eine aktive und erfolgreiche Wirtschaft, die im Gegensatz zu anderen Gebieten Deutschlands sehr dezentral aufgestellt ist. Noch wird Wertschöpfung in den ländlichen Räumen erzielt und viele Menschen können in der Nähe ihres Arbeitsplatzes wohnen. Wir benötigen Energie, die umweltverträglich und nachhaltig erzeugt und nicht über große Strecken von der deutschen Nordseeküste oder als Nuklearstrom aus dem Ausland bezogen werden sollte. Weder gigantische Stromtrassen, noch die Verbrennung fossiler Rohstoffe und am allerwenigsten mit Blick auf künftige Generationen unverantwortlich betriebene Nuklearanlagen bieten eine akzeptable Lösung für die Energieversorgung der Zukunft.

Das Haus Fürstenberg als größerer Waldbesitzer in Baden-Württemberg ist für einige Waldgebiete zuständig, die sich aufgrund ihrer Höhenlage zur Windstromerzeugung gut eignen. Der Eigentümer hat sich daher schon frühzeitig zu seiner Verantwortung bekannt, am Aufbau einer dezentralen Energieversorgung für die ländlichen Räume mitzuwirken und seine Flächen für die Errichtung von Windkraftanlagen aber auch für den ökologischen Ausgleich der damit verbundenen Eingriffe zur Verfügung zu stellen.

Unser Haus ist von den Betreibern der Windparks auf der Länge in alle Planungsschritte vollumfänglich eingebunden worden und hat seine Fachexpertise dahingehend eingebracht, dass die betroffenen Waldgebiete möglichst wenig und in jedem Fall reversibel beansprucht werden. Die erzielten Ergebnisse sind aus unserer Sicht verantwortbar und stellen einen guten Beitrag zur Sicherung der dezentralen Energieversorgung unserer Region dar.

Herr KanppAnton Knapp
Bürgermeister Hüfingen a.D.

In meiner fast 28-jährigen Zeit als Bürgermeister der Stadt Hüfingen hat der Gemeindeverwaltungsverband Donaueschingen, Bräunlingen, Hüfingen als einer der ersten in Baden-Württemberg einen Flächennutzungsplan Windkraft aufgestellt. Er wurde 2013 rechtskräftig und hat auch einiges gekostet. In den örtlichen Medien wurde zigfach darüber berichtet.

Die einzelnen Gemeinderäte der drei Städte wie auch die Verbandsversammlung haben dazu immer öffentlich getagt. Nun keinen Windpark auf den ausgewiesenen Flächen zu errichten, wäre u.a. auch eine Verschwendung öffentlicher Mittel und würde kommunale Planung ad absurdum führen. (Foto: Sigwart)

Dr. Ulrich SpielbergerDr. Ulrich Spielberger
Pensionierter Tierarzt, Vorsitzender NABU-Ortsverein Bonndorf

Ich bin seit 1998  und 2005 Gesellschafter und Geschäftsführer der beiden Bürgerwindräder bei Bonndorf. Ich habe in den vielen Jahren unzählige Führungen an unseren Anlagen gemacht und möchte unsere Erfahrungen bezüglich Vogelschlag berichten. Wir haben seit 1998 bzw. 2005 keinen einzigen toten Milan unter den Rotoren gefunden. Und dies, obwohl 4 Milanhorste in einer Nähe von unter 1.000 m von Gutachtern ermittelt wurden.

Im Gegenteil, alle Sachverständigen berichten von einer deutlichen Zunahme der Milan-Population im Raum Bonndorf. Trotzdem hat man uns sowohl den Bau von 2 weiteren Anlagen sowie auch eventuelles Repowering verboten. Die Bevölkerung von Bonndorf hat unsere Windräder immer akzeptiert. Ich halte die Verantwortlichen im RP und LNV für kleinkariert. Dies insbesondere angesichts des drohenden Klimawandels und seiner Folgen für viele Tier- und Pflanzenarten.

Manfred Niess
Innenstadtbewohner Stuttgart

Als Stadtbewohner ist man fassungslos, wie sehr Bewohner in der Nähe von Windkraftanlagen unter dem Lärm bzw. dem nicht-hörbaren Lärm leiden sollen.

Ich wohne in Stuttgart Mitte in der Kernerstraße, durch die sämtliche Rettungswagen Richtung Autobahn fahren, Tag und Nacht. Auch die Rettungshubschrauber haben oft die Einflugschneise über meinem Haus. Die B10 und die B14 haben einen Lärmpegel von 70 dB Tag und Nacht deutlich hörbar. Außerdem haben wir die S 21 Baustelle in unmittelbarer Nähe. Auf dieser Baustelle wird nachts gearbeitet, auch sonntags, sodass es kein Vergnügen mehr ist auf dem Balkon zu sitzen. 
Ich war letztes Jahr zu Besuch bei einem Freund in Kirchberg / Hohenlohe. Er hat mir dort eine neue Windkraftanlage gezeigt. Wir haben uns direkt darunter gestellt, es war kaum etwas zu hören. Jedes Auto, das vorbeifuhr hat ein Vielfaches an Lärm einer Windkraftanlage erzeugt. Der Infraschall einer Windkraftanlage scheint ein Problem zu sein aber der unerträgliche Lärm einer Harley nicht? Sind wir jetzt im Land der Fake News von Herrn Trump oder in Deutschland? Manchmal hat man das Gefühl, dass manche Bewohner auf dem Land gar nicht mehr wissen was echter Lärm bzw. Großstadtlärm ist. Man sollte die Kirche im Dorf lassen und nicht aus jeder Mücke einen Elefanten machen, sonst wird man vielleicht irgendwann nicht mehr ernst genommen.

Michael Blaurock
Seit 20 Jahren Gemeinderat der Stadt Donaueschingen
und Fraktionssprecher der Fraktion Bündnis90/Die Grünen

Vor 50 Jahren galt die Nutzung von Atomenergie als alternativlos. 1986 erlebten wir Tschernobyl, 2011 Fukushima mit tausenden Toten und einer unkontrollierten Verseuchung von Boden und Wasser. Seit 30 Jahren reden wir vom Klimawandel, der alles Leben auf der Erde zunehmend negativ beeinflusst mit dem Aussterben von Arten , Überschwemmungen und unzähligen Klimaflüchtlingen. Wie lange wollen wir da noch zögern und zaudern, wenn es um schadstoffarme Erzeugung von Energie geht, die wir alle nutzen und brauchen. Ohne Kompromisse und Einschnitte werden wir die Energiewende nicht schaffen , egal ob es um Biomasse oder Standorte von Windkraft- und Solarkraftanlagen geht. Jede KWH Strom aus regenerativer Quelle reduziert den CO2 Ausstoß, egal ob exportiert im Ausland oder bei uns, der Klimawandel kennt keine Grenzen.

Windkraftanlagen als Symbol vernünftiger Energieerzeugung und des technischen Fortschritts sind für den Technologiestandort Deutschland auf Dauer wichtiger als der ewige Tanz um unser goldenes Kalb Auto, dessen Bedeutung bei der Umweltverschmutzung, bei Landschaftsverbrauch, Einsatz von Steuergeldern und Beeinträchtigung vonGesundheit und Lebensqualität deutlicher denn je ist.

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